Deutschlands Stahlkocher schlagen Alarm:
Wasserstoff fehlt, CO₂-Kosten steigen.

"Bei ThyssenKrupp in Duisburg und Salzgitter herrscht blanke Panik. Die Hochöfen, die jahrzehntelang mit Kokskohle Stahl produzierten, werden durch den EU-Emissionshandel zur Existenzbedrohung.

Bis 2030 fallen 50 Prozent der gratis CO₂-Zertifikate weg, bis 2034 alle. Der aktuelle CO₂-Preis liegt bei rund 80 Euro pro Tonne.

Allein ThyssenKrupp stößt jährlich etwa 20 Millionen Tonnen CO₂ aus – das wären bei vollem Preis 1,6 Milliarden Euro zusätzliche Kosten pro Jahr. Ohne schnelle Umstellung auf Wasserstoff-Direktreduktion wird die Produktion in Deutschland nicht mehr rentabel. Wasserstoff? Noch viel zu teuer und praktisch nicht verfügbar. Eine klassische Zwickmühle.

Die großen Verlierer: Die Stahlkocher. Für die Arbeiter an den Öfen bedeutet das: Massenentlassungen und Werksschließungen drohen. Tausende gut bezahlte Industrie-Jobs in traditionellen Stahlregionen (Ruhrgebiet, Niedersachsen) stehen auf der Kippe.

Viele Standorte könnten ins Ausland abwandern (Carbon Leakage) – vor allem nach China, wo der Emissionshandel noch in den Kinderschuhen steckt und Billigstahl ohne CO₂-Aufschlag produziert wird.

Die EU versucht mit dem Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) gegenzusteuern – doch der Schutzwall ist löchrig. Importe von Endprodukten (Autos, Maschinen) umgehen ihn elegant.

Die Industrie warnt: Ohne staatliche Rückführung der ETS- und CBAM-Einnahmen, günstigen Grünstrom und funktionierende Wasserstoff-Infrastruktur droht die Deindustrialisierung. Nicht nur Stahl, auch Zement, Chemie und Düngerproduzenten sitzen in derselben Falle.EU in der Zwickmühle

Der Emissionshandel (ETS) hat seit 2005 Emissionen halbiert – ein Erfolg auf dem Papier. Doch jetzt stoßen die Systemgrenzen an: Die Effizienzpotenziale sind ausgeschöpft, die nächste Stufe (tiefgreifende Umstellung) wird existenzbedrohend teuer.

Kanzler Merz und von der Leyen haben reagiert: Zusätzliche Gratis-Zertifikate (Wert: ca. 4 Mrd. Euro) und 30 Mrd. Euro Hilfen – aber nur gegen verbindliche Investitionen in Klimaschutz. Ob das reicht, ist fraglich. Kritiker warnen: Wer den ETS jetzt aufweicht, bestraft die Vorreiter. Wer ihn streng hält, riskiert Werksschließungen und Abwanderung.

Die Stahlkocher zahlen den Preis für eine Politik, die Klimaziele über industrielle Realität stellt. Ohne massive staatliche Unterstützung und realistische Übergangsfristen droht nicht nur der Verlust von Tausenden Jobs – sondern ein Stück industrieller Kern Deutschlands.

Europa riskiert, sich selbst ins Abseits zu manövrieren, während China und andere lachend zuschauen.

Ein Bericht der BERLINER ZEITUNG.


 

Footer

Copyright © 2023 STUDIO-STD Wir würden uns über eine kleine Zuwendung für  STUDIO-STD
Alle Rechte vorbehalten unsere Rechercheaufwände freuen. Mail: Redaktion@Studio-STD.de
Joomla! ist freie, unter der  Das Team STUDIO-STD AB:  +49157 30657508
GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software. IBAN: DE25 2004 1111 0896 1146 00 Impressum -- Datenschutzerklärung
Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.