.Öffentliche Verbote, private Partys:
Faucis Tagebücher schreiben Corona-Geschichte neu.

"Der langjährige Chefimmunologe des Weißen Hauses, Anthony Fauci, äußerte sich zu nahezu allen zentralen Fragen der Pandemie. Aus nun im Rahmen eines Untersuchungsausschusses im US-Kongress veröffentlichten Tagebüchern ergibt sich jedoch ein deutlich widersprüchlicheres Bild.

In den Notizen fällt eine ausgeprägte Selbstbezogenheit auf. (...)

Während Fauci die Bevölkerung zu Kontaktvermeidung und Maskentragen aufrief, nahm er selbst an gesellschaftlichen Veranstaltungen teil und traf sich mit Journalisten. So notierte er am 1. Juli 2020 ein Abendessen in Washington mit dem CNN-Moderator Jake Tapper und dessen Ehefrau – zu einer Zeit, als Treffen in Innenräumen mit Personen aus anderen Haushalten vielerorts untersagt waren. (...)

Auch zum Ursprung des Virus zeichnen die Dokumente ein komplexeres Bild. Öffentlich verwies Fauci lange auf den Fischmarkt in Wuhan als Ausgangspunkt der Pandemie. Zugleich brachte er eine Gruppe von Wissenschaftlern zusammen, die später die Studie „The Proximal Origin of Sars-CoV-2“ in Nature Medicine veröffentlichten, in der ein Laborursprung als „unplausibel“ bezeichnet wurde – obwohl die Autoren intern Zweifel geäußert hatten. (...)

Den Dokumenten zufolge hielten zehn von zwölf Wissenschaftlern, die am 1. Februar 2020 an einer Telefonkonferenz teilnahmen, eine Manipulation des Virus für möglich. Zu den übrigen gehörten die Virologen Christian Drosten und Ron Fouchier, letzterer bekannt für seine Arbeiten zur sogenannten Gain-of-Function-Forschung, bei der Viren im Labor gezielt verändert werden. (...)

Dabei werfen Faucis Aufzeichnungen grundsätzliche Fragen zur Steuerung der Pandemie auf, deren Maßnahmen in weiten Teilen des Westens nahezu deckungsgleich übernommen wurden. So schildert er, wie er am 15. März 2020 den damaligen New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio davon überzeugte, Schulen, Bars und Restaurants der Metropole zu schließen. (...)

Der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wurde laut Fauci „so etwas wie ein Freund“. In Fragen der Corona-Impfstoffe habe sich Lauterbach „sehr, wirklich sehr stark“ auf seinen Rat gestützt. (...)

Auch bei der Kommunikationsstrategie zeigen die Unterlagen Spannungen. Die US-Gesundheitsbehörde CDC wollte im August 2022 offenbar erklären, dass die Corona-Impfstoffe keinen Schutz vor Infektion und Übertragung bieten. Dies hätte jedoch der im September geplanten Booster-Empfehlung widersprochen und laut Fauci auch die Bemühungen des Justizministeriums untergraben, unter bestimmten Umständen Impfpflichten durchzusetzen. (...)"

Ein Bericht der BERLINER ZEITUNG


 

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