Trennung von Amerika:
Ist die Freundschaft zwischen Europa und den USA am Ende?
"Amerika war unser Traum: Jazz, Jeans und Hoffnung. Das neue Amerika spielt eine andere Rolle. Zur Krise der transatlantischen Beziehungen. Ein Nachruf. (...)
Es gibt Momente, in denen man zu spüren beginnt, dass etwas Großes endet, lange bevor man es begreifen kann. (...)
Bei uns im Westen war Amerika überall. James Dean auf der Kinoleinwand, die Lederjacke, das gegelte Haar – die Halbstarken auf ihren Motorrädern ahmten nach, was sie in Filmen sahen. Lucky Strike, Kaugummi, Coca-Cola und Hamburger.
Diese Dinge waren mehr als Konsum, sie waren Symbole einer Modernität, die unser Deutschland aus den Trümmern hob. Der American Way of Life verschmolz mit dem Wirtschaftswunder zu einem einzigen glitzernden Versprechen: Wohlstand, Freiheit, Zukunft. (...)
Die USA verhandeln mit Russland. Europa spielt dabei keine Rolle. Sie verhalten sich gegenüber westeuropäischen Staaten, als gäbe es kaum einen Unterschied zum Iran oder Jemen. In der Strategie wird die Rolle „patriotischer“ Parteien in Europa explizit betont. Man spricht in Washington davon, „Widerstand innerhalb europäischer Nationen zu kultivieren“. (...)
Das ist eine Ansage an all jene, die wie Außenminister Johann Wadephul (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) immer noch hoffen, in Washington das alte Amerika zu erleben, und dann vom neuen Amerika weitgehend ignoriert werden. Sie wollen oder können die Ansage nicht verstehen. Was sollen die Amerikaner denn sonst noch tun und sagen, damit die Botschaft endlich ankommt? (...)
Tatsächlich aber, denke ich, war dieses Amerika doch immer auch eine Projektion. Eine Sehnsucht. Ein Traum, den wir brauchten und träumten. Die Realität war komplizierter: Vietnam, der Irak, die Unterstützung von Diktatoren, wenn es den eigenen Interessen diente. Wir wussten das. Wir wollten es nur nicht sehen.
Jetzt können wir nicht mehr wegsehen. Die Scheidungspapiere liegen auf dem Tisch. Europa muss lernen, allein zu gehen.
Das wird nicht einfach sein. Aber vielleicht ist es an der Zeit. (...)"
Ein Bericht der BERLINER ZEITUNG






